Archiv der Kategorie: Regional Krimi

Marcus Imbsweiler – Kollers 4. Fall – Butenschön

Titel: Butenschön
Autor: Imbsweiler, Marcus
Verlag: Gmeiner Verlag
ISBN: 3839211069
Seitenzahl: 320
Einband: Paperback

Autorenportrait:

Marcus Imbsweiler, geboren 1967 in Saarbrücken, lebt seit 1990 in Heidelberg. Er studierte Musikwissenschaft und Germanistik und veröffentlicht regelmäßig Artikel im Bereich Feuilleton. Im Herbst 2007 gab er mit dem Roman „Bergfriedhof“, dem ersten Fall des Heidelberger Privatdetektivs Max Koller, sein sehr erfolgreiches Krimidebüt.
Quelle: Gmeiner Verlag

Klappentext:

BRANDHEISSES MATERIAL

Prof. Albert Butenschön, der fast hundertjährige Chemiker und Molekularbiologe aus Heidelberg, gilt als einer der wichtigsten deutschen Nachkriegswissenschaftler. Warum wird auf das Büro der Historikerin Evelyn Deininger, die an einer Promotion über sein Leben und Werk arbeitet, ein Brandanschlag verübt? Hat Butenschön etwas zu verbergen? Oder stecken rabiate Studenten dahinter? Bei seinen Ermittlungen gerät Max Koller nicht nur zwischen die Fronten universitärer Scharmützel, sondern erfährt auch einiges über das Verhältnis von Politik, Wissenschaft und Moral …

Meine Meinung:

Bei dem Cover handelt es sich höchstwahrscheinlich um das Gebäude der alten Universität, die sich in der Altstadt von Heidelberg befindet. Im Vordergrund werden Autorenname und Titel, weiß unterlegt, gezeigt. Für mich eher ein unscheinbarer Blickfang, wegen dem ich mir diesen Krimi niemals zugelegt hätte.
Da ich allerdings die ersten drei Bände um den Privatdetektiv Max Koller alle gelesen hatte, wusste ich, dass der Autor humorvoll schreibt und es somit sehr witzig zur Sache gehen kann. Und so wollte ich mir Kollers neuesten Fall natürlich auch nicht entgehen lassen.

Kurz zusammengefasst geht es in dem Roman um Folgendes:
Professor Albert Butenschön ist ein großer Wissenschaftler Heidelbergs, der seine Karriere teilweise im Dritten Reich machte. Zu seinem hundertsten Geburtstag ist alles eingeladen, was Rang und Namen hat. Dazu eine Historikerin, die gleichzeitig eine Promotion über Butenschöns Leben schreibt und dabei vielleicht unschöne Sachen aus der Nazizeit aufdecken könnte. Kurz vor der Fertigstellung ihrer Arbeit erhält sie eine Drohung, der Max Koller nun nachgehen soll.
Da jedoch die Studenten regelmäßig protestieren und die naheliegenden Wirtschaftsbauern gegen einen Anbau der Uni sind, scheint für die Betroffene selbst alles klar zu sein. Für sie war diese „Drohung“ eher ein Streich von rebellischen Studierenden oder schlechtgelaunten Bauern. Nur Koller vermutet mehr dahinter und nimmt den Auftrag an.
Und am Rande wird auch noch bekannt, dass eine stadtbekannte Edelnutte über ihre Freier auspacken möchte. Ob unser Privatdetektiv dort auch noch mitmischt, sollte man allerdings selbst lesen.

Das Thema Butenschön, im Besonderen seine Professorenzeit während des Zweiten Weltkrieges, wurde sehr detailliert dargestellt. Auf der einen Seite war die genauere Beschreibung höchst aufschlussreich, auf der anderen Seite war es manchmal zu genau, wenn auch nicht wirklich langweilig. Trocken hingegen war es zwischendurch schon einmal, was für mich schlimm gewesen wäre, hätte es da nicht noch einen wichtigen Charakter gegeben: den Protagonisten und teilweise auch Witzbold Max Koller.

Ich empfand es jedes Mal aufs Neue köstlich, wie der Autor immer wieder witzige Worte in Sätze und Formulierungen einbaute, besonders wenn es sich um die Wissenschaftssprache handelte.
Dazu wurden von Koller kleine Neckereien und Situationen humorvoll auf die Schippe genommen, wenn er etwas in Gedanken durchging.
Situationen, die mit der Nazizeit zu tun hatten, wurden dagegen mit dem gebührenden Ernst erklärt.
Zwischendurch gab es natürlich auch noch Dialoge und Gespräche in Kollers Stammkneipe, die ziemlich humorvoll beschrieben wurden.
Aber am lustigsten waren immer noch Kollers Gedankengänge, oder wenn er im Stillen seinem Gegenüber etwas antwortete, das derjenige lieber nicht hören durfte. Einfach herrlich!
Das lockerte das ganze, eher eintönige Thema über diesen Wissenschaftler aus dem Dritten Reich, sehr auf.

Auch wenn es sich vielleicht seltsam anhört, aber durch Kollers Handlungen, seine Selbstgespräche und eine kleine Nebenhandlung wurde die Spannung immer aufrecht erhalten. Auch wenn es nicht dramatisch wurde, so zog mich die Spannung durch die Handlung. Ich wollte immer wissen, was Koller nun wieder aufdeckte, entdeckte oder wie er mich aufs Neue zum Schmunzeln bringen würde.
Die Freunde des Privatdetektivs kamen in diesem Roman nur am Rande vor, weswegen sie vermutlich auch nicht groß vorgestellt wurden.
Kollers eigene Beschreibung lässt von Fall zu Fall auch etwas nach, bis auf ein Grundwissen über ihn selbst, da der Autor wohl hofft, dass seine Bücher hintereinander gelesen werden. Was meiner Meinung nach aber kein Muss ist, da jeder Krimi in sich abgeschlossen ist.

Dieses Werk wurde, wie auch die Vorbände, in der Ichform erzählt, wodurch ich Kollers Gedanken miterlebte, die mich häufig schmunzeln ließen. Dadurch konnte ich mich von Beginn an mit dem Protagonisten identifizieren.
Der Schreibstil des Autors war flüssig und durch das ganze Buch hindurch witzig. Die Kapitel hatten eine angenehme Länge.

Aber ein klein wenig mehr Spannung und Dramatik hätte es ruhig geben können. Deswegen bekommt dieser vierte Krimi um „Privatflic“ Max Koller vier von fünf Sternen.

Privatflic Max Koller-Reihe:
1. Bergfriedhof
2. Schlussakt
3. Altstadtfest
4. Butenschön

Christine Anlauff – Katzengold: Serrano ermittelt

Titel: Katzengold: Serrano ermittelt
Autor: Anlauff, Christine
Verlag: Kiepenheuer
ISBN: 3378006978
Seitenzahl: 407
Einband: Softcover

Autorenportrait:

Christine Anlauff, geb. 1971 in Potsdam, ist gelernte Buchhändlerin. Ihr erster Roman „Good morning, Lehnitz“ erschien 2005. Sie lebt und arbeitet in Potsdam und schreibt an Serranos und Liebermanns zweitem Fall.
Quelle: Aufbau Verlag

Klappentext:

Der Kommissar und der Kater

Vorhang auf für den Bullen aus Berlin und den König der Katzen: Kommissar Liebermann und Kater Serrano ermitteln auf eigene Faust und Pfote, um ihre verschollenen Herzensdamen aufzuspüren. Bald merken sie, dass sie die Fälle nur gemeinsam lösen können.

Ein warmherziger, komischer und sehr spannender Krimi im Schatten der königlichen Parks und Gemäuer von Sanssouci.

Meine Meinung:

Der Einband ist ein schönes Softcover, welches gut in der Hand liegt. Auf dem Titelbild ist eine Katze abgebildet, die auf dem zusammengeklappten Dach eines gelben Cabrios sitzt und an dem Leser vorbei schaut.
Das Cover und der Titel „Katzengold – Serrano ermittelt“ sowie der Klappentext ließen mich vermuten, dass es ein um einen richtigen Katzenkrimi handelt.

Kommissar Liebermann, eine Berliner Schnauze, nur leider ohne Dialekt, ist wegen seines Rückens krankgeschrieben. Und so kann er zwei Wochen auf die gemeinsame Tochter aufpassen, die mit ihrer Mutter in Potsdam wohnt.
Kaum ist der Kommissar eingetroffen und seine Exfrau in ihren Urlaub entschwunden, begegnet ihm ein Engel. Die Dame tritt zwar nur einen Augenblick in sein Leben, aber dieser Moment hat einen bleibenden Eindruck auf Liebermann hinterlassen …

Fast zur gleichen Zeit hat Kater Serrano, Herrscher über die Ossietzkystraße in Potsdam, mit seiner Angebeteten einen Streit. Sie verschwindet kurz darauf und taucht nicht mehr auf. Serrano sucht tagelang, aber seine Aurelia bleibt verschwunden.
Komischerweise bleibt sie unauffindbar, seit dieser komische Mann zum ersten mal in der Straße auftauchte, der plötzlich auf die kleine Miri aufpasste, während ihre Mutter für einige Zeit wegfuhr …

Für mich war der Roman mal eine ganz neue Art von Krimi.
Zwar ist dies nicht mein erster Krimi, in dem eine Katze mitermittelt, aber die Art und Weise, wie die Autorin mich durch das Buch führte, war einmalig!

Eigentlich bin ich in dem Glauben an den Roman herangegangen, dass Serrano und Liebermann zusammen gehören und von Anfang an gemeinsam ermitteln. Aber ich wurde schnell eines Besseren belehrt.
Die zwei können sich Anfangs überhaupt nicht leiden und Serrano dachte von diesem steifen Mann sogar das Allerschlimmste.
Erst im aufe des Buches kamen sie sich näher und begannen, einander so etwas wie vertrauen entgegen zu bringen.
Mit der Zeit konnten sie sich auch gegenseitig helfen, was teilweise sehr ulkig dargestellt wurde. Dadurch musste ich des öfteren grinsen oder schmunzeln.
Und so lösten sie zusammen, immer mehr mit Hilfe des anderen, zwei Vermisstenfälle.

Zu Beginn war es teilweise durch die Vielzahl der verschiedenen Figuren etwas verwirrend. Zudem wechselten die Sichtweisen nicht nur unter den Menschen. Auch durfte ich regelmäßig einen Enblick in die Katzenwelt haben, was teilweise sehr lustig wirkte.
Herrlich war auch, wie die Autorin Kleinigkeiten untermischte und sie so herausstechend beschrieb, ohne das es langweilig klang. Zudem musste ich oft lauthals lachen, da die Autorin Liebermann teilweise wirklich niedlich und etwas trottelig dargestellt hatte.
Jede wichtige Figur hatte ihre Macken und bekam so zum Teil ihre Spitznamen und wurde dementsprechend vorgestellt. Da die Autorin die Sichtweise der Katzen miteinbezog, kamen dabei auch recht merkwürdige und humorvolle Beschreibungen heraus.

Eine Spannung baute sich erst zum Schluss richtig auf, als eine Leiche auftauchte und Liebermann mit Serranos Hilfe auch eine Spur von der Vermissten findet.
Aber leider bekam ich bei diesem Krimi nicht ganz das, was ich erwartet hatte. Mir dauerte es etwas zu lange, bis Mann und Kater sich näher kamen um gemeinsame Sache zu machen. Auch hatte ich gehofft, mehr aus Serranos Blickwinkel zu sehen.
So war es für mich ein leichter Krimi mit Katzenanhang. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Der Roman hat sehr lange Kapitel die aber mit vielen Abschnitten durchzogen sind.
Der Schreibstil von Christine Anlauff ist angenehm zu lesen und beinhaltet regelmäßig etwas Humor. Zudem ist ihr Schreibstil flüssig und macht richtig Laune immer weiter zu lesen.

Trotz der kleinen Mängel gebe ich diesem Werk fünf volle Sterne.
Ich bin schon sehr auf den nächsten Krimi mit Liebermann und Serrano gespannt!

Manfred Bomm – Kommissar Häberle 9 – Glasklar

Titel: Glasklar
Autor: Bomm, Manfred
Verlag: Gmeiner Verlag
ISBN: 3899777956
Seitenzahl: 470
Einband: Paperback

Rezensionsexenplar

Autorenportrait:

Manfred Bomm, geboren 1951, lebt in einer Kleinstadt am Fuße der Schwäbischen Alb. In seinen spannenden Kriminalromanen verarbeitet er seine langjährigen Erfahrungen als Lokaljournalist, Polizeireporter und Berichterstatter von Gerichtsverhandlungen.
Quelle: Gmeiner-Verlag

Klappentext:

Der Wasserberg am Rande der Schwäbischen Alb. Nach einer privaten Sonnwendfeier einer Gruppe ehemaliger Schulkameraden findet man einen der Gäste tot auf.
In den Verdacht geraten sowohl die früheren Mitschüler und der alte Lehrer des Ermordeten als auch deren Angehörige. Doch Kommissar Häberle findet heraus, dass in jener Sommernacht noch viele andere Menschen im Gelände unterwegs waren, die eine gemeinsame Vergangenheit mit dem Opfer haben …

Meine Meinung:

Es fängt mit einer Tat an, die anfangs völlig ungeklärt bleibt. Erst bei späteren Zeugenbefragungen kommt etwas zum Vorschein, das eventuell mit der Tat zusammenhängen könnte.
Vorrangig geht es um einen Mord auf dem Wasserberg, nicht weit von Göppingen entfernt, so dass Kommissar August Häberle, der Hauptprotagonist, von Anfang an mit von der Partie ist.

Die Abwechslung zwischen Zeugenbefragungen und Ereignissen ist, wie jedes Mal, ein voller Genuss; es kommt nie Langeweile auf. Auch wird aus verschiedenen Sichtweisen erzählt, was noch mehr den Eindruck vermittelt, man sei mittendrin und voll dabei. Stück für Stück kommen Einzelheiten ans Tageslicht, mit denen man zu Beginn nicht unbedingt etwas anfangen kann. Aber zum Ende hin ergibt es ein überraschendes Ganzes.

Diesmal ist auch der Journalist Georg Sander aus Geislingen, der ein freundschaftliches Verhältnis zu Häberle pflegt, in die Sache verwickelt und das nicht nur als Reporter.
Bis zum Schluss kann man nicht eindeutig sagen, wer der Täter ist. Man hat zwar einen persönlichen Verdächtigen, aber am Ende passt doch keiner.

Der Autor schafft es wieder einmal, aktuelle Themen einfließen zu lassen und diese auch dementsprechend zu nutzen. Er beschreibt so undurchsichtige Handlungsstränge und lässt immer wieder eine unvorhersehbare Bombe platzen. Einfach klasse! Auch die Umgebung ist wieder sehr gut beschrieben und wenn man ein Ortskundiger ist, kann man die Handlungen im Geiste regelrecht mitverfolgen.
Nicht zu vergessen, auch die Charaktere sind gut beschrieben. Im Laufe der Geschichte werden immer wieder Erklärungen oder Beschreibungen zu den Charakteren eingestreut, die einem die einzelnen Personen näher bringen.

Manfred Bomm wird von Krimi zu Krimi immer besser!
Ich persönlich, habe diesen Fall von Kommissar Häberle regelrecht aufgesaugt.

Schade fand ich jedoch, dass das Buch etwas größer ist und eine anderes Layout hat, als die ersten acht Bände.

Fazit:
Ein durch und durch guter Krimi, dem es an nichts fehlt. Hoffentlich lässt der nächste Fall nicht zu lange auf sich warten.
Fünf von fünf Sternchen!

(13.2.2009)

Marcus Imbsweiler – Privatdetektiv Koller 1 – Bergfriedhof

Titel: Bergfriedhof
Autor: Imbsweiler, Marcus
Verlag: Gmeiner Verlag
ISBN: 3899777425
Seitenzahl: 419
Einband: Paperback

Autorenportrait:

Marcus Imbsweiler, geboren 1967 in Saarbrücken, lebt seit 1990 in Heidelberg. Er studierte Musikwissenschaft und Germanistik und veröffentlicht regelmäßig Artikel im Bereich Feuilleton. Im Herbst 2007 gab er mit dem Roman „Bergfriedhof“, dem ersten Fall des Heidelberger Privatdetektivs Max Koller, sein sehr erfolgreiches Krimidebüt.
Quelle: Gmeiner Verlag

Klappentext:

Dunkle Vergangenheit

Der Heidelberger Bergfriedhof. Auf dem Grab eines Kriegsopfers liegt eine Leiche. Privatdetektiv Max Koller steht vor einem Rätsel. Sein geheimnisvoller Auftraggeber, der ihn mitten in der Nacht an diesen Ort beordert hat, will ihn plötzlich mit allen Mitteln von weiteren Nachforschungen abhalten. Und auch der Tote ist am nächsten Morgen spurlos verschwunden …

Meine Meinung:

Das Cover zeigt ein Bild von einem schönen Friedhof. Entlang eines Weges, der sich teilt, sind mehrere Gräber zu sehen.
Diese Aufmachung machte mich neugierig auf den Klappentext, der mich dann gänzlich überzeugte, den Krimi zu lesen.
Auch ist es schön, dass das Titelbild sogar als Handlungsort im Buch vorkommt.

Im ersten Kapitel geschieht das, was schon im Klappentext beschrieben wurde.
Koller, der Protagonist, trifft sich mit seinem Auftraggeber an einem Ort, an dem kurz vorher anscheinend eine Leiche abgelegt wurde. Max Koller ist sofort klar, dass eine Verbindung zu seinem Auftraggeber bestehen muss. Schon allein, weil dieser alles geheim halten möchte. Und so macht er sich, gegen die Anweisung seines Auftraggebers, auf die Suche nach dieser Verbindung.

Das zweites Kapitel wird nun fast parallel, ein paar Stunden vorher, erzählt und Max Koller stellt sich vor. Der Autor schildert das Vorleben des „Privatflic“, seinen beruflichen Werdegang sowie sein Privatleben. So konnte ich mir ein gutes Bild von dem Privatdetektiv machen.
Dann ging es wieder zum aktuellen „Fall“, der eigentlich keiner ist, zurück.
Das hat der Autor meiner Ansicht nach gut gelöst. So wusste ich gleich über Max Koller und seinen merkwürdigen Auftrag bescheid.

Spannung kam in der ersten Hälfte eigentlich nie richtig auf. Dafür befasste sich der Autor zu sehr mit der Vorstellung der wichtigsten Charaktere. Darunter der beste Kumpel des Privatflics „Fatty“. Wenn Koller eine helfende Hand braucht, ist Fatty stets zur Stelle und hilft. Ob bei einem Auftrag oder beim Vertilgen von Selbstgekochtem. Dann werden noch ein Freund von der Zeitung, Max Exfrau beschrieben, und was er über seinen mysteriösen Auftraggeber erfährt.
Dadurch hätten streckenweise die Beschreibungen sehr trocken sein können. Aber der Autor schafft es immer wieder, nette Schmunzler einzubauen, die das Geschriebene etwas auflockerten. Ich konnte mir manche Szenen anschaulich und spaßig vorstellen. Meine Lachmuskeln hatten definitiv etwas zu tun.
Im letzten Drittel nimmt der Krimi dann doch noch an Tempo zu und es passiert erneut etwas Schwerwiegendes.
Als Koller noch im Dunkeln tappte, hatte ich schon Eins und Eins zusammengezählt und wartete nur noch auf die Auflösung.
Doch dann gab es kurz vor dem Ende noch eine Wendung, die mich sehr überrascht hat. Daran hätte ich nie gedacht.
Nur was mich persönlich am Schluss des Krimis etwas entsetzt hat, war der Alkoholkonsum von Koller, der im Laufe der Handlung drastisch zunahm.

Was mich teils immer wieder leicht durcheinander brachte, waren die Zeitsprünge, die es kapitelweise gab. Entweder wurde die nahe Vergangenheit, meistens der vorherige Tag, beschrieben, oder aber die nahe Zukunft. Zur Orientierung fehlten mir hier deutliche Hinweise des Autors zu den Zeiten. Wenn ich das Buch eine Zeit lang nicht in den Händen hatte, bekam ich etwas Schwierigkeiten, wieder in den Krimi zu finden.

Dies war der Debütroman von Marcus Imbsweiler. Für das erste Buch einer Krimiserie hat der Autor die wichtigsten Figuren gut vorgestellt. Dass es in den kommenden Fällen spannender wird, kann ich persönlich schon einmal bestätigen.
Der Autor hat eine humorvolle Art, manche, teils belanglosen Dinge auszudrücken und zu beschreiben. Ab der ersten Seite konnte ich schon schmunzeln. Ich konnte seinem Witz folgen und habe die kleinen, teils versteckten, Seitenhiebe verstanden.
Der Roman ist in der Ichform aus Max Kollers Sicht geschrieben. Wenige Male sprach Max Koller mich als Leser an, um gewisse Situationen zu erklären.
Sogar der Heidelberger Dialekt war ab und an zu lesen, was mir sehr gefallen hat. Das macht die regionalen Krimis erst richtig „heimisch“. Ebenso werden immer wieder einzelne regionale Wörter eingeflochten, von denen ich noch nie gehört hatte, wie z.B. Privatflic oder Pöcke. Davon gibt es noch eine Handvoll. Leider werden sie nicht erklärt.

Das Buch lag gut in der Hand und die Schriftgröße war für mich angenehm zu lesen.
Die Kapitel hatten für mich persönlich eine erfreuliche Länge.
Es gab immer wieder vereinzelt Fremdwörter, die sich aber meistens vom Textlauf her im weiteren Verlauf der Geschichte selbst erklärten.
Zur Aufmachung sei vielleicht noch gesagt, dass es sich bei diesem Buch um ein Paperback handelt. Das Format kommt der Größe eines gebundenen Buches sehr nahe.

Fazit:
Ein humorvoller Krimi mit einem etwas tollpatschigen, aber ehrlichen, Privatflic!
Der Humor hat meinen Geschmack voll getroffen.
Wegen der langen Beschreibungen und der teils nicht erklärten Regional- und Fremdwörter vergebe ich allerdings „nur“ drei sehr positiven Sterne, jedoch mit starker Tendenz zu vier Sternen.

15.9.2009

Paul Lascaux – Detektivduo Müller & Himmel 3 – Feuerwasser

Titel: Feuerwasser
Autor: Lascaux, Paul
Verlag: Gmeiner Verlag
ISBN: 3839210119
Seitenzahl: 231
Einband: Paperback

Autorenportrait:

Paul Lascaux ist das Pseudonym des Schweizer Autors Paul Ott, geboren 1955, aufgewachsen am Bodensee und seit 1974 wohnhaft in Bern. Der studierte Germanist und Kunsthistoriker hat in den letzten 30 Jahren neben zahllosen journalistischen Arbeiten mehrere literarische Veröffentlichungen realisiert, vor allem Kriminalromane und kriminelle Geschichten. Auch als Herausgeber von Krimianthologien und Initiator des Schweizer Krimifestivals „Mordstage“hat er sich einen Namen gemacht. „Feuerwasser“ ist nach den Romanen „Salztränen“ und „Wursthimmel“ der dritte Band seiner kulinarischen Krimiserie um Privatdetektiv Heinrich Müller.
Quelle: Gmeiner Verlag

Klappentext:

Stille Wasser
Im idyllischen Justistal im Berner Oberland prallen Gegensätze aufeinander: Die Wasserwirtschaft plant dort den größten Stausee der Schweiz, ein einflussreicher Dorfbewohner möchte an gleicher Stelle einen riesigen, voralpinen Fun-Park errichten. Dann werden innerhalb kurzer Zeit die Verantwortlichen beider Projekte auf grausame Weise ermordet. Die Berner Polizei steht vor einem Rätsel, ebenso wie das agile Detektivduo Heinrich Müller und Nicole Himmel …

Meine Meinung:

Auf dem Cover ist ein Behältnis aus Glas abgebildet, was leicht bläulich aussieht. Ob es am Inhalt oder am Glas selbst liegt, kommt wohl auf den Betrachter an. Dahinter, durdch das Glas durchscheinend, sieht man eine Gestalt.
Autorenname und Titel sind schön in der Mitte platziert.

Anfangs wird in einer Inhaltsangabe darauf hingewiesen, dass am Ende der Geschichte ein Glossar sowie ein Personenverzeichnis aufgelistet sind.
Das ist auch gut so, denn im Roman selbst werden die Protagonisten nur sehr wenig vorgestellt.
Für mich als Quereinsteiger in diese Reihe war das ein großer Nachteil.

Die Tötungsdelikte sind recht unspektakulär beschrieben, dafür sind die Tatorte, meiner Ansicht nach, umso spektakulärer. Bei der Aufklärung der Morde arbeitet die Polizei mit dem Privatdetektivduo Heinrich Müller und Nicole Himmel zusammen. Gemeinsam stoßen sie bald auf hinterwäldlerische Kuhhirten mit speziellen Nebenverdiensten, sowie auf zwei Großprojekte, die für das Justistal geplant sind. Nicht zu vergessen, dass die Städtler Müller und Himmel aus Bern erleben müssen, wie dort jeder ein Gewehr besitzt und es zu nutzen weiß.
Die Detektive führen ihre Ermittlungen enorm penibel durch, lassen sich die kleinste Kleinigkeit erklären und so wird auch der Leser durch das Justistal geführt und bekommt so einiges von der Gegend mit. Die beiden dürfen in diesem Fall viel durch die Schweizer Alpen, speziell durch das Justistal, „kraxeln“.
Wanderern und Anwohnern wird das eventuell gefallen, da alles sehr gut beschrieben wurde.

Der Krimi plätschert an einigen Stellen vor sich hin, wodurch ich den roten Faden, der sich durch ein Buch ziehen sollte, in diesem Krimi leider vermisst habe. Der Autor schreibt, meiner Meinung nach, teils sehr ausschweifend. Den Wanderungen im Justistal wurde enorm viel Aufmerksamkeit geschenkt.

Die Kapitel werden durch Wochentag und Datum aufgeteilt.
Der einfache Schreibstil wechselt ab und an ins Undeutliche, manches verstand ich schlicht nicht, da ich den Zusammenhang zu dem aktuellen Fall nicht knüpfen konnte.
Sobald etwas auf einen früheren Fall hindeutete, oder es um Ausschnitte anderer literarischer Werke ging, weist der Autor mit Fußnoten auf den jeweiligen Band hin.
In dem Glossar werden schweizerdeutsche Wörter übersetzt. Die Personenbeschreibungen beziehen sich in erster Linie auf die Protagonisten Müller und Himmel. Alle anderen Figuren werden nur unzureichend vorgestellt.
Die Sichtweisen wechseln immer mal wieder, wobei die Geschichte meist aus Müllers Blickwinkel erzählt wurde.

Abschließend möchte ich darauf hinweisen, dass mir die Schreibweise des Autors nicht zusagt, weswegen der Krimi von mir dementsprechend bewertet wird.

Fazit:
Für Wanderinteressierte in der Schweiz mit Interesse an Krimis könnte dies ein etwas anderer Bergführer sein.
Von mir gibt es drei Sterne.

29.9.2009

Bernd Leix – Kommissar Lindt 5 – Fächertraum

Titel: Fächertraum: Oskar Lindts fünfter Fall
Autor: Leix, Bernd
Verlag: Gmeiner Verlag
ISBN: 3839210100
Seitenzahl: 230
Einband: Paperback

Autorenportrait:

Bernd Leix wurde 1963 geboren, studierte Forstwirtschaft und lebt heute in Alpirsbach im Schwarzwald. Er arbeitete einige Jahre als Revierförster im Karlsruher Hardtwald und kam dort mit nahezu jeder Art von Kriminalität in Berührung. „Fächertraum“ ist bereits der fünfte Fall für seinen beliebten Karlsruher Kommissar Oskar Lindt.
Quelle: Gmeiner Verlag

Klappentext:

AUSGEBRANNT – „Warum immer im Herbst?“
Besonders viele Todesanzeigen füllen in der nebligdunklen Jahreszeit die Zeitungen. Die düstere Stimmung lastet auch auf Oskar Lindt, dem Chefermittler der Karlsruher Mordkommission. Friedhöfe ziehen ihn magisch an, seltsame Träume verfolgen ihn.
Lindts neuer Fall führt ihn in das Milieu des äußerst profitablen Zigarettenschmuggels. Doch ein Tatort voller weißer Bettfedern, getränkt im Blut, gibt ihm den Rest – der Fächerstadt-Kommissar gerät völlig aus dem Gleichgewicht …

Meine Meinung:

Dies ist der fünfte Kriminalfall mit Kommissar Oskar Lindt, den man übrigens nie ohne seine Pfeife antrifft. Er scheint ein recht netter und geselliger Kerl zu sein, der sein Privatleben allerdings eher für sich behält.
Es war mein erster Kontakt mit dem Kommissar und seinem Team und als Quereinsteiger kam ich gut zurecht.
Zwar wurden die Charaktere nicht sehr ausführlich beschrieben, aber das machte mir persönlich nichts. Allerdings würde ich jedem Leser empfehlen, mit dem ersten Band um Kommissar Lindt anzufangen. In den vorherigen Büchern werden die Figuren vermutlich genauer vorgestellt, sodass man deren Handeln besser nachvollziehen kann.

Es fängt kurz angebunden mit der Tat an, um dann etwas ruhiger ein paar Beschreibungen von Kommissar Lindts Situation in der Mordkommission darzustellen.
Durch einen Zwischenfall bei einer Zeugenvernehmung hat der Kommissar nun selbst mit der Justiz zu tun, in Form einer Staatsanwältin mit dem Spitznamen die „eiserne“ Lea. Körperverletzung lautet die Anklage gegen ihn.
Dies führt dazu, dass Lindt in leichte Depressionen stürzt und so in seinem Schmugglerfall nicht weiter kommt.
Zwischenzeitlich sind die Ermittler, mehr oder weniger durch Zufall, auf eine weitere Leiche gestoßen. Ob diese mit dem ersten Totschlag zusammenhängt?

In beiden Situationen gibt es jeweils eine interessante Wendung. In der Sache mit der Staatsanwältin ging es mir als Leser allerdings etwas zu schnell. Es tauchte dazu eine Figur auf, die Lindt von früher kennt. Doch auf sie wurde leider nicht weiter eingegangen, obwohl die Figur ihren Teil dazu beitrug, dass es zu dieser Wendung kam.
Auch bei der zweiten Drehung, Lindts Fall mit den Schmugglern, war ich ziemlich überrascht, welchen Weg die Beweislage einschlug. Damit hätte ich nicht gerechnet.

Ob Lindts Melancholie auch mit diesen seltsamen Träumen zusammenhängt?
Denn ihn verfolgen seit geraumer Zeit alte Fälle und so langsam hat er den Verdacht, er drehe bald durch oder werde verrückt.
Diese Träume kommen ohne Vorankündigung. Sie sind so gut in die Geschehnisse um den Kommissar herum eingeflochten, dass ich etwas brauchte um zu bemerken, dass es sich um einen Traum und nicht die Wirklichkeit handelte. Aber mit der Zeit konnte ich mit der Vorgehensweise des Autors umgehen.

Zwischendrin legte sich die Spannung immer wieder und man bekam mit, wie der Kommissar versucht, ohne Indizien und Beweise, zu ermitteln. Diese Berg- und Talfahrt machte mir nichts aus, doch dadurch konnte mich der Krimi leider nie vollständig fesseln.
Die Örtlichkeiten sind sehr schön beschrieben, ich konnte mir die Schauplätze gut vorstellen. Ebenso sind die Kapitel gut bestückt mit Abschnitten und der Krimi wird aus der personellen Perspektive erzählt. Meist aus Sicht des Kommissars.
Das Cover zeigt einen Turm des Karlsruher Schlosses auf den ein Weg zuläuft. Man sieht, dass es Herbst ist, da auf dem Weg Laub von den Bäumen liegt, die den Weg säumen.

Fazit:
Ein interessanter Karlsruher Krimi mit einem Pfeife rauchenden und Traum deutenden Kommissar.
Ich vergebe vier Sterne.

28.9.2009

Willibald Spatz – Birnes erster Fall – Alpendöner

Titel: Alpendöner
Autor: Spatz, Willibald
Verlag: Gmeiner Verlag
ISBN: 3839210283
Seitenzahl: 322
Einband: Paperback

Autorenportrait:

Willibald Spatz, Jahrgang 1977, hat in Würzburg Biologie und in München Kulturkritik studiert. Er lebt zurzeit in der Nähe seiner Heimatstadt Augsburg und schreibt als freier Autor u. a. für die „Süddeutsche Zeitung“ (Münchner Kultur), „Theater der Zeit“ und das Internet-Portal „nachtkritik.de“. „Alpendöner“ ist sein erster Kriminalroman.
Quelle: Gmeiner Verlag

Klappentext:

Birne, Anfang 30, hat in Kempten gerade seinen neuen Job als Redakteur bei einem Verlag für Wanderführer angetreten, als seine Nachbarin, die alte Frau Zulauf, blutüberströmt aufgefunden wird. Mord inmitten beschaulicher Alpenidylle – so hatte Birne sich seinen Neuanfang im Allgäu nun wirklich nicht vorgestellt!
Ein türkischer Imbissbudenbesitzer, ein Motiv, ein Kebabmesser – die Polizei hat den mutmaßlichen Mörder der Frau schnell dingfest gemacht. Doch dann stolpert Birne in die Ermittlungen…

Meine Meinung:

Mich hat das Titelbild sofort angesprochen, was evtentuell an dem Signalrot der „Tischdecke“ lag.
Autorenname und Titel sind leicht versetzt, untereinander in der Mitte platziert.
Der interessante Titel und der Klappentext hatten nun mein Interesse geweckt.

Durch die, für mich, gewöhnungsbedürftige Schreibweise, empfand ich den Anfang sehr langatmig. Der Krimi kam gar nicht richtig in Fahrt.
Nach den, ungefähr, ersten 50 Seiten, in denen es fast ausschließlich um die Zeitung des Protagonisten Birne ging, wurde der Schreibstil langsam flüssiger. Dennoch blieb er immer noch sehr ausführlich. Von einem Krimi keine Spur.
Trotz der Besserung der Ausdrucksweise, hatte ich Schwierigkeiten, eine Verbindung zum Protagonisten herzustellen.
Die Sätze waren teilweise so verschachtelt geschrieben, dass ich es gar nicht richtig mitbekam, wenn etwas passierte. So wurde auch der Mord anfangs nur am Rande, am Stammtisch, erwähnt. Auch weiterhin spielten sich die Ermittlungen zu dem Mord eher im Hintergrund ab.

Bei mir kam keine richtige Spannung auf. Hin und wieder gab es Ansätze, bei denen ich dachte, nun wird es dramatisch, aber dann flaute es wieder ab.
Auch wurden viele Nebensächlichkeiten viel zu arg in den Vordergrund gerückt und so in die Länge gezogen, dass ich teilweise richtig kämpfen musste, den Faden nicht zu verlieren. So wurden z.B. den Alltagsdingen, wie dem Essen eines Nutellabrotes, und ähnlichem viel zu viel Aufmerksamkeit geschenkt, was meiner Ansicht nach nicht wirklich hilfreich war, um Neugier zu erzeugen.
Erst auf den letzten Seiten wurde es kurzzeitig spannend, teilweise sogar richtig dramatisch, so dass ich wissen wollte, wie es endet.
Aber es wurde alles nur in kurzen Sätzen erklärt und das Ende kam mir zu schnell!
Was allerdings wiederum auf der letzten Seite passierte, ist in meinen Augen völlig unlogisch. Aber es macht neugierig auf den zweiten Fall.
So wie ich das nun im Nachhinein sehe, scheint dieser Roman eher eine Einführung geworden zu sein. Das lässt mich auf ein besseres zweites Buch hoffen!

Das Werk ist in der personellen Perspektive geschrieben. Abwechselnd wird aus der Sichtweise des Journalisten Birne und Kommissar Bruno Abraham berichtet.
Der Kommissar war mir von Anfang an unsympathisch. Als noch sein Sohn mit einbezogen wurde, konnte ich beide erst recht nicht mehr leiden. Was der Junge von sich gab, waren teilweise schon richtige Parolen gegen Türken. Es brachte so einen Touch Ausländerfeindlichkeit mit sich… Dass der Autor den Rechtsradikalismus so stark betont, hätte ich nicht gedacht.
Der Protagonist wird immer nur mit Nachnamen dargestellt und von ihm selbst darf man fast nichts erfahren.
Auch die Figuren um Birne herum wurden so gut wie gar nicht vorgestellt. Im Grunde wurden die Charaktere alle oberflächlich erklärt, so dass ich meiner Fantasie freien Lauf lassen musste. Das mag für andere schön sein, aber mich störte es, da ich mir im Hinterkopf immer Fragen zum Aussehen und Charakter stellte, weswegen sich das Buch für mich stockend lesen lies.
Die Kapitel sind in Form von Tagen eingeteilt und somit teils sehr lang.
Ebenfalls war durch das ganze Buch kein flüssiger Satzbau zu sehen, was die Geschichte, meiner Meinung nach, sehr beeinflusst.

Fazit:
Für mich war der Erzählstil so unberechenbar, dass ich von dem eigentlichen „Krimi“ leider nichts spürte.
Auf der einen Seite möchte ich dem Autor noch eine Chance geben, aber auf der anderen Seite habe ich Bedenken, dass sich an dem Schreibstil nichts ändern wird.
Also lest und entscheidet am besten selbst!
Von mir bekommt dieser Roman allerdings nur 1 Stern.

7.8.2010

Manfred Bomm – Kommissar Häberle 10 – Kurzschluss

 

Rezensionsexemplar

Autorenportrait:

Manfred Bomm, Jahrgang 1951, stammt aus Geislingen an der Steige. Als Journalist ist er eng mit der Polizei- und Gerichtsarbeit verbunden. Mit seinen überaus erfolgreichen „Kommissar Häberle“-Krimis gehört er zu den bekanntesten Autoren der deutschsprachigen Krimiszene.
Quelle: Gmeiner-Verlag

Klappentext:

In einem See am Rande der Schwäbischen Alb wird ein Angestellter des kleinen örtlichen Energieversorgers tot aufgefunden – mit einem Stein um den Hals im Wasser versenkt. Er hatte die Aufgabe, täglich die Entwicklungen an der Leipziger Strombörse zu verfolgen, um bei günstigen Notierungen den Bedarf für die nächsten Jahre zu ordern.
In der Wohnung des Ermordeten findet Kommissar August Häberle mehrere selbst produzierte Dokumentarfilme über die Energiewirtschaft. Und dann erreicht ihn die Nachricht von einer weiteren Leiche – in einem See im fernen Mecklenburg-Vorpommern, versenkt mit einem Stein …

Meine Meinung:

as Cover fiel mir sofort ins Auge. Schwarzer Hintergrund, in der Mitte eine zersplitterte Glühbirne, die gerade ausgeht und Rauch entwickelt.
Unter der Glühlampe stehen der Autorenname und der Titel.
Da ich ein eingefleischter Häberle-Fan bin, brauchte ich den Klappentext eigentlich gar nicht zu lesen, um zu wissen, dass es wieder ein toller Krimi ist.

Der 10. Fall des Kommissar Häberle aus dem Schwabenländle ist da!
Dieses Mal werden dem Leser die Abgründe in der Strombranche aufgeführt, wo selbst vor Mord nicht zurückgeschreckt wird.
Diese dunklen Machenschaften weiten sich bundesweit, wenn nicht sogar europaweit aus. Weswegen Kommissar Häberle auch diesmal wieder gezwungen ist, sich auf eine Dienstreise zu begeben.
Wie im Klappentext beschrieben, gibt es zwei Morde und unzusammenhängende Details, die sich erst im Laufe der Zeit entwirren.

Auf die Handlung selbst will ich nicht mehr weiter eingehen, da sehr vieles aufeinanderbaut und ich nichts vorweg verraten möchte. Nur etwas kann ich vielleicht anmerken: Dass das Rotlichtmilieu, der Naturschutz mit dem Schwerpunkt Biberansiedlung sowie das Hobby Angeln eventuell zum Fall dazugehören könnten. Ob diese einzelnen Dinge wichtig sind, solltet ihr selbst herausfinden.
Die Frage ist nur, wie hängt das alles miteinander zusammen und vor allem, was hat das mit den Morden zu tun?
Jeder im Umfeld des Opfers verhält sich auf irgendeine Weise verdächtig, was dem Ermittler keine große Hilfe ist und es mir auch schwer machte, einen Täter zu benennen.

Die Geschichte fängt sehr verworren, aber interessant, an und war so, durch mehrere Handlungsstränge, die parallel laufen, mit Spannung durchzogen. Je weiter ich in die Handlung vordrang, umso aufregender wurde es. Vor allem das Wechseln der Handlungen je Kapitel, ließ teilweise Dramatik aufkommen und meine Neugier steigen.

Auch wenn der Autor, meines Erachtens, mehr aktuelle Themen, welche geschickt in die Handlung eingebunden sind, einbezieht als in den Anfangsbänden, so sind sie immer passend und die Geschichte wird dadurch trotzdem nie langatmig oder gar langweilig.
In diesem Band schildert M. Bomm dem Leser nebenher die momentane Wirtschaftskrise und was die Politik dabei für eine Rolle spielt.

Der Krimi wird aus der Vogelperspektive erzählt, sodass ich einen tollen Rundumblick hatte und mich mitten in der Handlung fühlte.
Diesmal wurden auch einige Orte auf der Alb miteinbezogen, wo viele Zeugen wohnen. Die Örtlichkeiten sind sehr gut beschrieben und ich habe wieder Lust bekommen, diese Ortschaften mal abzufahren.

Nachdem eine dritte Figur spurlos verschwindet, steigerte sich die Spannung fast ins Unermessliche und es wurde, dank der Szenenwechsel, noch regelrecht dramatisch!
Bis zum Schluss tappte ich im Dunkeln, da mich der Autor mit seinen vielen Verdächtigen regelrecht in die Irre führte.
Und die Auflösung war für mich überraschend, wenn auch teilweise, dank Häberles Hilfestellungen, nachvollziehbar.

Die wichtigsten Charaktere werden gut dargestellt, ich konnte mir jeden einzelnen vor meinem inneren Auge vorstellen.
Man kann die Bände auch einzeln lesen, aber ich würde empfehlen, sie sich in der Reihenfolge zu Gemüte zu führen, da die Figuren sich doch weiter entwickeln.

Fazit:
Dieser Krimi war mal wieder Spannung pur!
Fünf volle Sterne.

Klaus Erfmeyer – Stephan Knobel 4 – Tribunal

 

Rezensionsexemplar

Autorenportrait:

Dr. Klaus Erfmeyer, geboren 1964, lebt in Dortmund und ist seit 1993 Rechtsanwalt, darüber hinaus Maler und Dozent. Er ist Autor zahlreicher Fachpublikationen. „Tribunal“ ist bereits sein vierter Kriminalroman um Rechtsanwalt Stephan Knobel. Sein Erstling „Karrieresprung“ wurde für den Friedrich-Glauser-Preis 2007 in der Sparte „Bester Debüt-Kriminalroman“ nominiert.
Quelle: Gmeiner-Verlag

Klappentext:

Essen und das Ruhrgebiet bereiten sich auf das Großereignis „Kulturhauptstadt 2010“ vor. Als der Psychologe Paul Bromscheidt an die Kanzlei Hübenthal & Knobel die Idee heranträgt, aus diesem Anlass eine Ausstellung zum Thema „Justiz und Gewissen“ in Deutschlands größter unterirdischer Bunkeranlage zu organisieren, sind die Anwälte begeistert. Erwartungsvoll folgen Stephan Knobel und seine Kollegen dem eloquenten Bromscheidt in das Stollensystem. Doch die Führung wird zur Entführung – und für die Geiseln zur Konfrontation mit einem Täter, der eine zynische Abrechnung zelebrieren will …

Meine Meinung:

Der Klappentext bringt es im Grunde auf den Punkt.
Dortmund 2009 – Ein Mann gab sich als Psychologe aus und unterbreitete der Kanzlei Hübenthal & Knobel ein interessantes Angebot, mit ihm zusammen zu dem großen Ereignis „Kulturhauptstadt 2010“ einen juristischen Anteil mit der Ausstellung „Justiz und Gewissen“ beizutragen. Dafür führte er den Protagonisten Rechtsanwalt Stephan Knobel mit Freundin Marie Schwarz, seinen Kollegen Löffke und Frau sowie einen Richter mit Frau in die Tiefe der Dortmunder Stollen, die sich hervorragend für ein Tribunal eignen. Und so wurde aus der Führung eine Entführung, denn der angebliche Psychologe hatte seine eigenen Vorstellungen von Recht und Gesetz …

In den Schächten unterhalb Dortmunds wartete ein genial ausgeklügeltes System auf die „Gefangenen“, welches sie durch psychische Tricks und spezielle Effekte zu quälen und foltern vermochte.
Der Entführer brachte die Beteiligten gegeneinander auf und veranlasste sie dazu, sich gegenseitig zu verdächtigen, wer sie in diese Situation gebracht hatte.
Das Verhalten der einzelnen Gefangenen wurde sehr gut beschrieben. Auch wie sich Knobel immer wieder fragt, ob manche Aussagen und Taten seiner Mitgefangenen nur Taktik sind oder ob sie es tatsächlich ernst meinten.
Der Autor beschrieb die Umgebung und die Beklommenheit der Geiseln so gut, dass ich die ganze Zeit über das Gefühl hatte, im Stollen mit dabei zu sein. Diese Situation wurde genial geschildert.

Doch diese Entführung war nur der Anfang und nachdem die sechs Geiseln wieder in Freiheit waren, meldete sich Knobels Gewissen. Denn eine Sache verlief dort unten in dem Schacht recht undurchsichtig ab und ließ ihn die Gefangenschaft genauer betrachten und hinterfragen.
Dadurch kam Stephan Knobel einer Sache auf die Spur, die selbst ihn persönlich in Gefahr bringen sollte …

Die Spannung war von Anfang an spürbar und zog sich durch den ganzen Roman, sodass ich diesen Krimi sehr ungern aus der Hand legte.
Die wichtigsten Figuren wurden anfangs kurz und knapp vorgestellt, was mir aber genügte, um mir ein oberflächliches Bild zu machen. Die Charaktereigenschaften der einzelnen Persönlichkeiten wurden nach und nach im Stollen offen gelegt, was auch sehr zu meiner eigenen Verwirrung führte. Geniale Taktik, denn so wusste ich auch nicht, worum es ging, bis Knobel auf eine Idee kam …

Dieses Werk ist in der auktorialen Perspektive geschrieben, wodurch ich anfangs nicht viel mehr vom Protagonisten mitbekam als von allen anderen Figuren auch. Das machte es aber umso interessanter!
Die Kapitel sind sehr unterschiedlich lang, was der Geschichte aber keinen Abbruch tat.
Trotz meines Quereinstiegs in diese Reihe um den Rechtsanwalt Stephan Knobel kam ich mit dem Fall sofort klar.
Klaus Erfmeyer hat es geschafft, mich zu fesseln. Seiner Serie werde ich treu bleiben.
Ich vergebe die volle Punktzahl, fünf Sterne.


Bereits erschienen:
Karrieresprung (2006)
Todeserklärung (2007)
Geldmarie (2008 )
Tribunal (2010)

(10.4.2010)

Michael Krug – Bahnhofsmission

Titel: Bahnhofsmission
Autor: Krug, Michael
Verlag: Gmeiner Verlag
ISBN: 3839210917
Seitenzahl: 273
Einband: Paperback

Rezensionsexemplar

Autorenportrait:

Michael Krug, Jahrgang 1956, ist in Stuttgart geboren und in Ludwigsburg aufgewachsen. Nach einem philologischen Studium in Tübingen und in den USA machte er seine ersten beruflichen Schritte als freier Mitarbeiter der Stuttgarter Zeitung und der Stuttgarter Nachrichten. Krug arbeitete zwölf Jahre als Pressesprecher und Kommunikationsmanager bei einem Computerkonzern in Deutschland und der Schweiz, bevor er mit einem Schulfreund die Kommunikationsagentur Krug und Petersen in Tübingen gründete. Heute ist er Inhaber und Geschäftsführer der Agentur K&L. „Bahnhofsmission“ ist sein erster Roman.

Quelle: Gmeiner Verlag
Klappenetext:

In Stuttgart erregt das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 die Gemüter. Als der Vorstandsvorsitzende der größten Bank des Landes in einem Kellerraum des Stuttgarter Hauptbahnhofs erschlagen aufgefunden wird, gerät der Bahn-Manager Norbert Hagemann unter dringenden Mordverdacht. Der karrierebesessene Finanzjongleur war nicht nur zur Tatzeit am Tatort. Bald wird auch bekannt, dass er ein Verhältnis mit der Frau des toten Bankers hat. Doch diese Lösung scheint dem erfahrenen Kriminalbeamten Herbert Bolz viel zu einfach …

Meine Meinung:

Stuttgart Hbf – Ein normaler Donnerstagmorgen, an dem der Bahn-Manager Norbert Hagemann aus Berlin zurückkehrt, wo er, wie schon oft, mit den zuständigen Beamten der Politik über das Projekt „Stuttgart 21“ debattiert hatte.
Gewohnheitsmäßig will er sich mit einem Journalisten namens J.J. Palm im Geheimen treffen und ihm Insidertipps über die aktuellen Zahlen zum Projekt weitergeben.
Alles läuft wie immer, gut geplant und für Dritte unsichtbar. Doch nach seinem nächsten Ausflug nach Berlin kommt Palm zu spät und Hagemann wird in Handschellen abgeführt.
Ein Mord sei geschehen, an dem ausgewählten Treffpunkt der beiden Geheimnistuer …

Diesen Krimi könnte man gut in drei Teile aufgliedern.
Im ersten Abschnitt wurde ich mit den wichtigsten Figuren und dem Mordopfer bekannt gemacht. Dann geschah der Mord und der, für mich typische, Schwabe Kommissar Bolz bekam seinen ersten Auftritt.
Ab da war es um mich geschehen. Was mir vorher an detailreichen Personenbeschreibungen des Autors zu heftig wurde, wich bei dem breit schwäbisch-sprechenden Bolz in den Hintergrund. Dieser, schon in die Jahre gekommene, Polizist hatte sich mit seinem ersten Dialekt-Satz in mein Herz geredet. Ich liebe es einfach, wenn die Protagonisten in Regionalkrimis auch teilweise so sprechen dürfen, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist.

Im zweiten Abschnitt ging es hauptsächlich um das Großprojekt „Stuttgart 21“ und was alles damit zusammenhing. Am meisten ging es natürlich um Zahlen und Fakten, die die Politik aus Berlin wissen wollte.
Der Autor nahm sich Zeit, um einzelne Situationen genau zu erklären und den Leser etwas tiefer in das Konzept von „Stuttgart 21“ blicken zu lassen.
Dadurch wurde der Mord mitsamt dem Kommissar etwas aufs Abstellgleis gestellt, was mir überhaupt nicht gefiel.
Aber umso interessanter wurde die Rolle des Norbert Hagemann, der über alles zu dem Milliardenprojekt wusste.
Durch seine Stellung bei der Bahn kam heraus, dass jemand „Big Brother“ spielte und seit einiger Zeit seine Finger bei dem Thema „Stuttgart 21“ drin hatte. Von einer wichtigen und mächtigen Position aus wurde alles über jeden einzelnen Mitarbeiter von Hagemann bespitzelt.
Neben der Kontrolle über Telefonate, Emails, An- und Abwesenheitslisten, wichtige Termine und Bankdaten wurde ebenso an den Zahlen der Kalkulationen für „Stuttgart 21“ manipuliert und das Letzte nicht nur vor Ort, sondern auch in der Hauptstadt des Landes, Berlin.
Das waren für mich so viele Informationen auf einmal, dass ich zwischendurch manches zweimal lesen musste, damit ich den Inhalt besser verstand.

Im letzten Drittel wurde es dann endlich richtig spannend.
In Sachen Mord erzielten Bolz und Palm durch gemeinsames Ermitteln und Recherchieren endlich einen Durchbruch. Nebenbei führten einzelne Fäden, auch in der Manipulation des Millionenprojektes, schließlich bei einer Figur zusammen.
Die Handlungsorte wechselten nun öfters um Stuttgart und insgesamt war mehr Action zu spüren.
Es gab keine störenden Unterbrechungen mehr durch Erklärungen, der Spannungsbogen war immer präsent, es ging ständig voran.
Somit war ich dann auch schnell am Ende angelangt, da dieser dritte Teil sehr viel Spaß machte.

Daher war es im Großen und Ganzen ein guter Krimi!
Doch leider ziehe ich zwei Sterne für die detailreichen Personen- und Situationsbeschreibungen ab. Es wurden teilweise Figuren sehr genau vorgestellt, deren Handlung überhaupt keine große Rolle spielte. Und mit manchen Situationen im Bezug auf das Projekt brachte mich der Autor mit seiner Ausführlichkeit mehr durcheinander, als dass ich es schlussendlich verstand.
Trotzdem würde ich mich über weitere Schwabenkrimis mit Kommissar Bolz und Journalist Palm freuen!

So gebe ich dem Debütroman von Michael Krug drei positive Sterne.